Verkehrserziehung

Vorsicht — Einsicht — Rücksicht
Ein Konzept zur Sensibilisierung für das Verhalten im Straßenverkehr
Kinderunfälle haben in Mönchengladbach leider eine traurige Tradition. Es ist zwar gelungen, die Unfallzahlen in den letzten Jahren deutlich zu senken, trotzdem wurden im Jahre 2009 109 Kinder bei Verkehrsunfällen verletzt. Uberdurchschnittlich hoch ist die Anzahl der 9- 12jährigen Kinder am Unfallgeschehen.
Aus diesem Grunde wird die Verkehrserziehung auch am Hugo- Junkers-Gymnasium in den Jahrgangstufen 5 und 6 fortgesetzt. Ziel ist es, die Kinder für ihr Verhalten im Straßenverkehr zu sensibilisieren, da fast alle Unfälle auf Verhaltensfehler zurückzuführen sind.
Durch verschiedene Vermittlungsmethoden (z. B. Rollenspiele) soll es den Kindern begreiffich gemacht werden, wie wichtig regelgerechtes Verhalten auch fiir den weiteren Lebensweg ist. Letztendlich geht es sich auch um die eigene Gesundheit, mobil zu bleiben und alle Ziele und Träume zu verwirklichen, die Kinder haben.
Verkehrsgerechtes Verhalten lernt man u. a. durch eigene Erfahrungen. Erwachsene haben den unschätzbaren Vorteil, durch langjährige Teilnahme am Straßenverkehr gewisse Verhaltensmuster vorrausschauend umsetzen zu können. Da Kinder auf diesen „Erfahrungsschatz „ noch nicht zurückgreifen können, ist für sie regelgerechtes Verhalten um so wichtiger.
Erarbeitet werden Ursachen für das Verhalten, wie Zeitdruck, Müdigkeit, Stress, Angst, Freude, Trauer, Gruppenzwang, schlechte Vorbilder. Letztendlich ist aber jeder für sein eigenes Verhalten verantwortlich. Die Schuldzuweisung, das machen die anderen doch auch, hilft da auch nicht weiter. Meine Nase zählt für mein Verhalten!!
Die zuvor aufgeführten Verhaltensursachen treffen nicht nur für Kinder zu. Sie sind fast vollständig auch auf erwachsene Verkehrsteilnehmer übertragbar. Wie ist das Verhalten eines PKW-Fahrers zu bewerten, der sich unter Zeitdruck auf dem Weg zur Arbeitsstelle befindet? Etwa 50 % der verletzten Kinder sind als Fahrradfahrer an Unfällen beteiligt. Deshalb werden das verkehrssichere Fahrrad, helle Kleidung und der Fahrradhehn nochmals ausführlich thematisiert. Hierbei wird auf den letzten Unfall mit einem verstorbenen Kind eingegangen:
Ein 10jähriger Schüler wollte im Dezember, um 07.30 Uhr, bei Dunkelheit, mit seinem Fahrrad eine Straße in Rheydt überqueren. Am Fahrrad fehlten alle Beleuchtungseinrichtungen sowie Reflektoren. Zudem war der Fahrer dunkel gekleidet. Der Fahrradfahrer wurde von einem PKW angefahren, der nicht zu schnell fuhr, schlug mit dem Kopf auf und verstarb einen Tag später an den Folgen der Kopfverletzungen. Der Schüler war für den Autofahrer nicht erkennbar und trug keinen Helm!!!
Leider ist es nicht verpflichtend vorgeschrieben —auch für Erwachsene- einen Fahrradhelm zu tragen. Deshalb haben aber Sprüche wie: „was hast Du denn für eine Eierschale auf den Kopf?, das ist ja total uncool“ zu unterbleiben. Kinder sollen ermutigt werden, den Helm zu tragen und Gruppenzwängen nicht zu unterliegen. Kinder sind das schwächste Glied in der Kette der aktiven Verkehrsteilnehmer. Der Autofahrer sitzt geschützt in seinem „Käfig“, verfügt über den Sicherheitsgurt und wird bei Gefahr sanft von Airbags umhüllt. Welchen Schutz aber haben Kinder als Fußgänger und Fahrradfahrer? Da ist außer Helm, heller Kleidung und dem eigenen Verstand nicht viel.
Wo der PKW durch Kratzer oder kleinere Beulen nur leicht beschädigt wird, geht es sich bei Kindern oftmals um erhebliche körperliche Beeinträchtigungen. Deshalb ist es um so wichtiger, auch mal vom eigenen Vorrecht, wie bei Grünlicht oder am Zebrastreifen die Straße zu überqueren, zurückzutreten. Hier spiegelt sich auch den Sinn des Sprichwortes —der Klügere gibt nach- wieder.
Ich bin der Hoffnung, in guter Zusammenarbeit mit dem Kollegium, der Schulleitung und der Elternschaft dazu beizutragen, dass möglichst keine Kinder Ihre Schule die teilweise schlimmen Erfahrungen eines Unfallopfers machen müssen. Darum wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie nach den u. a. Terminen die geschilderte Problematik zu Hause auch noch mal thematisieren würden.
Für die Gelegenheit, die Inhalte unseres Verkehrserziehungskonzeptes in diesem Forum schildern zu dürfen, bedankt sich recht herzlich Ihr Verkehrssicherheitsberater beim Polizeipräsidium Mönchengladbach
Bernhard Cremer
Ansprechpartnerin Hugo Junkers Gymnasium:
Rita Doxakopoulos
Koordinatorin für Verkehrserziehung



